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Edition Banzini-Hefte (Ausgabe 4)
Komm in das Labyrinth der Liebe! von Norma Banzi
ISBN: 978-3-934442-92-4
Din-A-5 Heft, 3,95 Euro [Heft
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Rikal, der jüngste Sohn des Herrschers Nion, ist im Gegensatz
zu seinen Altersgenossen noch Jungfrau. In seiner Unerfahrenheit
wirkt er wie eine leckere Herausforderung auf die Krieger in seiner
Umgebung. Keine gute Ausgangslage für einen jungen Mann, der
bald auf eine Militärakademie gehen soll. Also fädelt
Nion eine Verabredung seines Sohnes mit dem Geschäftsmann Fuodore
ein. Rikal ist davon alles andere als begeistert und will die Sache
so schnell wie möglich hinter sich bringen. Fuo ist aber ein
Meister der Verführung und Liebeskunst und lässt ihn nicht
so schnell von der Angel ...
Leseprobe:
"Ich bin Rikal. Mein Vater hat mich beauftragt, Sie auf dem
Anwesen willkommen zu heißen", grüßte der
junge Mann kühl.
"Fuodore!", entgegnete Fuo mit samtener Stimme. Er blickte
Rikal tief in die Augen. Der Junge riss hektisch die Reisetasche
Fuos an sich.
"Gehen wir!", knurrte er.
Fuo lachte dunkel.
Mit hohem Tempo raste der von Rikal gesteuerte zweisitzige Minigleiter
den Hauptweg des Anwesens entlang. "Wir können es gleich
erledigen. Es gibt im Park ein verstecktes, unbewohntes Haus, in
dem Sie es mir besorgen können", giftete Rikal seinen
Gast an.
"Möchten Sie denn, dass ich es Ihnen besorge?", fragte
Fuo belustigt.
"Mein Vater hat Sie doch herkommen lassen, damit Sie mich in
die Männerliebe einweisen. Je schneller es vorbei ist, desto
besser ist es."
"Vielleicht führen Sie mich vorerst über das Anwesen.
Ich bin neugierig auf die Residenz des Lordkanzlers."
"Wie Sie wünschen, Sir!"
Mit einem riskanten Manöver schwenkte Rikal den Minigleiter
in Richtung eines Bürohauses. Dort angekommen bremste er abrupt
ab. Die beiden Männer stiegen aus.
"Wie Sie sehen, sind sämtliche Gebäude des Anwesens
bogenförmig um einen zentralen Punkt errichtet", leierte
Rikal. Es schien, als habe er schon oft Personen über die Residenz
des Lordkanzlers geführt. Er zeigte auf eine Skulptur, die
in einiger Entfernung auf einem mit bunten Mosaiksteinen gepflasterten
Platz stand. "Dort steht die Skulptur von Num`ran und Kortas.
Wir können später dorthin gehen. Normalerweise beginne
ich meine Führungen im Bürogebäude. Im Erdgeschoss
ist ein Museum, in dem einige sehr schöne Stücke ausgestellt
sind."
"Ich folge Ihnen", bemerkte Fuo.
Mit steifen Schritten steuerte Rikal auf den Eingang des Gebäudes
zu. Die Nähe Fuos war ihm unangenehm, aber er war ein gehorsamer
Sohn.
Offensichtlich hatte der Lordkanzler Nion seinem jüngsten Sohn
nicht nur aufgetragen, sich um Fuo zu kümmern, er schien ihm
auch klar gemacht zu haben, was er von dem Zusammensein der beiden
Männer erwartete. Für Fuo wäre seine Aufgabe leichter
gewesen, wenn Nion gegenüber seinem Sohn nicht so deutlich
geworden wäre. So war der junge Mann viel zu verkrampft.
"Das sind wunderbare Dolche", rief Fuo aus, als er vor
eine verglaste Wand trat, hinter der zahlreiche Dolche aus mindestens
tausend Jahren ausgestellt wurden.
"Das sind alles Dolche von heldenhaften Männern und Frauen
meiner Familie. Angeblich stammen wir von Num`ran ab."
"Glauben Sie nicht daran?", wunderte sich Fuo.
"Es gibt einige Lücken im Stammbaum. Zehntausend Jahre
sind eine lange Zeit."
"Ihr Vater würde Ihre kritische Einstellung sicher missbilligen."
"Sie brauchen es ihm ja nicht zu erzählen", knurrte
Rikal. "Wahrscheinlich reden Sie sowieso nicht viel, wenn Sie
sich in seinem Stadthaus treffen. Sie kennen doch sein Stadthaus?!"
"Lehnen Sie es ab, wenn Männer sich hin und wieder miteinander
entspannen?", wich Fuo der versteckten Beleidigung aus.
"Es ist anstößig."
"Natürlich!", lachte Fuo.
"Möchten Sie noch die alten Teppiche sehen?", zischte
Rikal und zeigte zu einer Tür.
"Ein anderes Mal", entgegnete Fuo. "Die Skulptur
von Num`ran und Kortas ist sicher interessanter."
"Wieviel Geld zahlt Ihnen mein Vater für diesen Auftrag?",
fragte Rikal gehässig, als Fuo mit den Fingern interessiert
über die imposanten marmornen Abbilder zweier Männer strich,
die einander mit gezückten Schwertern gegenüberstanden.
Mit fast zärtlicher Hingabe tastete er über die kalten,
in Stein gehauenen Brustmuskeln von Num`ran.
"Sie haben zu viel Fantasie, Rikal", meinte Fuo freundlich.
"Ich habe Betriebswirtschaft studiert und arbeite jetzt für
den Geschäftsführer der Horzan-Bau als Assistent. Ich
bin Geschäftsmann, keine männliche Hure."
"Meine Mutter hat mir erzählt, dass Vater sich viele Male
mit einem Lustburschen namens Fuodore getroffen hat. Ich habe sogar
ein Holokristall mit Ihrem Abbild gesehen."
Fuo legte seine Hand auf Rikals Schulter. Der zuckte zusammen, duldete
die Berührung jedoch zähneknirschend.
"Sie brauchen nicht gegen mich zu kämpfen, Rikal, ich
bin nicht Ihr Feind. Ich bin nur hier, weil ich neugierig auf die
Residenz des Lordkanzlers bin. Ihr Vater hat mich eingeladen. Was
früher zwischen ihm und mir gewesen ist, geht Sie nichts an.
Wahrscheinlich ist es günstiger, Sie rufen mir einfach einen
anderen Führer."
Röte schoss in Rikals Wangen. "Ich habe aber meine Befehle,
Sir."
"Glauben Sie eigentlich, dass Kortas eine Frau war?",
wechselte Fuo das Thema.
"Selbstverständlich!"
"Mit dieser Einstellung werden Sie es schwer beim Militär
haben."
Rikal öffnete den Mund, um etwas zu sagen, presste dann jedoch
die Lippen zusammen.
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