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Edition Banzini-Hefte

Brautraub von Norma Banzi

Edition Banzini-Hefte (Ausgabe 2)
Brautraub von Norma Banzi

Din-A-5 Heft, ca. 70 Seiten 3,95 Euro [Heft bestellen]
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Für den Krieger Hor ist es Liebe auf den ersten Blick, als er die menschliche Praktikantin Annett erblickt. Da sie sein Werben standhaft ignoriert, entführt er sie kurzerhand auf seinen Heimatplaneten und beruft sich dabei auf eine alte Tradition seines Volkes ...

Leseprobe:

"Das menschliche Mädchen scheint nicht zu wissen, dass zur Stunde der Schatten Frauen im Badehaus nicht erwünscht sind", bemerkte Patarin Brock, der neben Hor seinen Tee einnahm.
"Sie steht etwas unschlüssig da", schmunzelte Hor. Er knotete sein Handtuch um die nur von einem Lendentuch bedeckten Hüften und eilte zu Annett. Neugierig sah Brock ihm hinterher.

Schüchtern raffte Annett ihr großes Handtuch enger um ihren Körper. Sie hatte das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben. Das Badehaus war nur von Männern und wenigen Kriegerinnen belegt. Kein Kindergeschrei störte die ruhige Zurückgezogenheit der Männer, keine zivile Frau lenkte sie von ihren Tätigkeiten ab. Die Männer tranken Tee, spielten Karten, lasen oder massierten einander die Körper. Manche trainierten an Geräten. Die Atmosphäre im Raum wirkte auf Annett fast friedlich. Aber der Anblick der fremdartig wirkenden nackten ul`chanischen Männerkörper, an mehreren Stellen mit bunten Hornschuppen versehen, macht ihr schlagartig klar, dass sie sich allein unter Männern einer gefürchteten Kriegerspezies befand. Schon wollte sie sich in ihre Kabine zurückziehen, als ein großer, bezopfter Krieger ihr den Weg versperrte. Er stemmte seinen Arm gegen die Wand und stellte sich dicht vor sie. "Annett!", raunte er mit seiner tiefen Stimme.
"Bitte!", murmelte sie erschreckt. Er rückte gnädig etwas von ihr ab.
"Um diese Zeit solltest du nicht in das Badehaus gehen, Menschenfrau."
"Ja", hauchte sie.
"Aber jetzt, wo du schon einmal hier bist, kannst du einen Tee mit mir nehmen."
Annett wand sich. Einige Male hatte er sie in den vergangenen Tagen auffällig lange angestarrt, aber es war ihr immer gelungen, ihm aus dem Weg zu gehen.
"Nun?!", fragte er provozierend.
"Ich kenne dich doch überhaupt nicht!"
"Ich bin Hor, Darmon vom Volk der Urielle.
"Lieber nicht!", meinte sie und schlüpfte schnell in ihre Kabine.
Hor kehrte zu seinem Platz zurück.
"Die Menschenfrau scheint sich nicht für dich begeistern zu können", lachte Brock.
"Ach!"
"Sie wird bald zur Planetenliga zurückkehren, ihr Praktikum bei Lady Qara ist abgelaufen."
"Dann wird es Zeit, zu handeln", knurrte Hor.
"Menschen sind zart", wandte Brock ein.
"Sie gebären kräftige Kinder mit ausreichend vielen imperialen Körperzeichen. Sieh dir Qara an, sie ist halb Mensch. Niemand würde ihre Zugehörigkeit zu den Kindern Uls bezweifeln."
Brock beugte sich vor. "Was hast du vor?"
"Gestatten Sie mir eine Brautentführung, Patarin?", fragte Hor förmlich.
"Diese menschliche Frau steht unter dem Schutz des Hauses Nga`Vron", wandte Brock stirnrunzelnd ein.
"Um so größer ist der Ruhm, den man durch eine Entführung erringen kann", beharrte Hor. "Ein Brautraub ist nichts Ehrenrühriges."
"Lady Qara hat einen neuen Leibwächter, den Razvaran Jorran. Er soll sehr gefährlich sein, hat früher als freier Auftragskiller gearbeitet. Wenn sie wirklich böse wird, könnte sie ihn hinter dir herjagen."
"Dann verbieten Sie es mir, Patarin?"
"Ich werde es mir überlegen."
Brock wandte seine Aufmerksamkeit einem jungen Krieger zu, der seine bis zur Hüfte reichenden langen Haare zu einem einzelnen dicken Zopf geflochten trug. Der Jüngling mit dem Namen Gish war gerade aus einer Umkleidekabine getreten und blickte sich forschend um. Als er Brock entdeckte, steuerte er zielstrebig auf ihn zu. Stumm ließ er sich auf einem Kissen zu dessen Füßen nieder. Gish, nur ein einfacher Krieger aus niederer Familie, war der Favorit Brocks, angefeindet von mehreren Chiren, die glaubten, ihnen stände es nach Ausbildung und Stand zu, für die Entspannung ihres Lords zu sorgen. Seit der junge Krieger von seinem Patarin entdeckt worden war, bereitete er sich mit dessen Hilfe auf die Offiziersprüfung vor. Die meisten Gefolgsleute Brocks waren der Ansicht, dass sich Gish im Bett seines Gönners eine Karriere erschlief, die ihm ohne den einflussreichen Patarin verwehrt bliebe. Hor glaubte dagegen zu wissen, dass die Verbindung der beiden Männer auf gegenseitiger Zuneigung beruhte. Weil auch die Gefährtin des Brock keine Einwände gegen die ungewöhnliche Liaison ihres Mannes mit einem einfachen Krieger erhob, wagte es niemand, offen gegen Gish zu opponieren.
Brock hob den Zopf seines Geliebten an. Sanft löste er Flechte um Flechte, bis sich das Haar über den Rücken ergoss. Dann nahm er einen Kamm und begann mit der Haarpflege. Hor legte sich auf seine Liege zurück und beobachtete die beiden Männer schläfrig. Es war exzentrisch von Lord Brock, dem Führer einer Schwadron der Urielle, dem Cousin des Urielle-Anführers, einem niederrangigen Krieger in aller Öffentlichkeit die Haare zu kämmen. Aber wer mochte es ihm verübeln, seine Hände in das weiche, wundervolle Haar des attraktiven Geliebten zu tauchen? Über die Schönheit Gishs waren sich alle einig, auch die Kritiker und Neider. Der Anblick des einträchtig beisammen sitzenden Paares ließ Hor in den Ruhedämmer fallen. In seinen Träumen ließ er sich von Annett die Haare kämmen.

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