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AUS DER VILLA DIODATI VON SIMON RHYS BECK (HRSG.) |
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AUS DER VILLA DIODATI von Simon Rhys Beck (Hrsg.)
Verlag: dead soft ISBN: 393444203X Taschenbuch
Inhalt:
Einundzwanzig Kurzgeschichten von Autorinnen und Autoren des literarischen Undergrounds. Geschichten, die (ent-)fesseln und zu einem Blick in die Schattenwelten verführen ...
Leseprobe:
Es entsprach gar nicht seiner Art - eigentlich war er eher ein furchtsamer Mensch. Doch der Tag war so entsetzlich warm gewesen, und das dunkel glänzende Wasser des Sees erschien ihm so einladend. Der Mond sandte sein bleiches Licht auf den Weg, der vor ihm lag, und Dorian fühlte sich sicher, unbedroht. Langsam tastete er sich näher ans Ufer, hörte die Zweige unter seinen Schuhen brechen und lauschte den Lauten der Nachttiere. Leise schwappte das Wasser des Sees an das flache Ufer, beruhigte allein durch das vertrauenserweckende Geräusch.
Die Luft war noch immer angeheizt, kaum ein Windhauch strich über die glatte Oberfläche des schwarzen Wassers. Dorian sah sich um; er wollte vermeiden, daß ihn irgendjemand beobachtete. Nicht etwa, weil er ein ausgeprägtes Schamgefühl besaß, eher im Gegenteil. Dorian war ein Stricher, doch er verkaufte seinen Körper nicht unter Wert. Dafür war er zu begehrt. Er seufzte leise, versuchte die Bilder, die ausdauernd in seinem Kopf kreisten, zu verdrängen. Er haßte es nicht, sich zu verkaufen, doch er sehnte sich nach einem anderen Leben. Eigentlich hätte er auch jetzt dort sein sollen, bei den anderen. Doch die Hitze des Tages und ein eigenartiges, unbestimmtes Gefühl hatten ihn zum See kommen lassen. Mit einigen schnellen Bewegungen streifte er sich die Kleidung vom Körper. Nackt ging er die letzten Meter bis zum Wasser. Die warme Luft streichelte seine Haut, das Wasser, was bald seine Füße umspülte, barg die Erinnerung der heißen Sonnenstrahlen des Tages. Dorian ging vorsichtig weiter, und als er bemerkte, daß es tiefer wurde, glitt er mit einer geschmeidigen Bewegung in das schwarz schimmernde Naß. Er schwamm ein Stück hinaus, ließ sich vom Wasser tragen. Genoß das bißchen Freiheit, das er empfand. Die Geräusche der Nacht waren ihm mittlerweile vertraut, als er schließlich wieder ans Ufer zurückschwamm. Langsam stieg er aus dem Wasser, schüttelte den Kopf, so daß die Wassertropfen aus seinem kurzen Haar flogen. Er sah hinüber zu der Stelle, an der er seine Kleidung abgelegt hatte - und erschrak heftig. Dort, genau an der Stelle, saß eine dunkle Gestalt ... (Mit freundlicher Genehmigung von Simon Rhys Beck)
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